BREMEN KRIMI - Paul von Rahmling

Auch die Abenteuer meiner neuesten Figur spielen in Norddeutschland, und zwar in Bremen.

"Naipaul Maugham von Rahmling, kurz Paul Rahmling, ist meine neueste Figur und vielleicht, die, die mir am nächsten ist.

Er ist Sprachlehrer und immer etwas schlecht gelaunt, wenn er auf seinen Kontoauszug schaut, wodurch er schon etwas mit mir gemeinsam hat. Außerdem ist er neu in Bremen und erlebt die Stadt zum ersten Mal, genau wie ich, als ich die Geschichte schrieb.

Da hören die Ähnlichkeiten zwar auf, aber ich glaube, dass Paul eine sehr interessante Figur ist. Die Abenteuer, die er mit dem Journalisten Robert Kärner erlebt, sind jedenfalls topaktuell und aufregend. Der erste Fall, in den er verwickelt wird, hat zum Beispiel mit dem internationalen Waffenhandel zu tun ..."

Blutwaffen

Paul von Rahmling Bd. 1

Die neue Krimi-Reihe aus Bremen - spannend und top-aktuell

TASCHENBUCH, 256 Seiten

10,00 €

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EIN AUSZUG AUS DER ERSTEN GESCHICHTE:

 

Als am Mittwochabend mein Handy klingelte, hätte ich es fast überhört, da ich zu dem Zeitpunkt gerade kopfüber in hunderten von Damenschuhen steckte, die einen kompletten Schrank in einem Schlafzimmer blockierten.

  Ich war mir nicht sicher, ob sie zur musealen Ausstattung gehörten und ob ich sie irgendwie konservieren musste, aber ich wusste, dass ich noch nie so viele Schuhe auf einmal gesehen hatte. Eigentlich wollte ich wissen, was sich sonst noch so in dem Schrank befand, hatte aber bislang nur Schuhe finden können. Das war aber immer noch besser als so manches, was ich in einigen der anderen Schränken gefunden hatte, nebenbei bemerkt.

  Das Handy musste ein Dutzend Mal geklingelt haben, als ich endlich ranging, und die Stimme am anderen Ende klang so, als sei sie von der Wartezeit nicht begeistert gewesen.

  „Paul von Rahmling?“, fragte die Stimme, nachdem ich mich der der späten Stunde gemäß nur mit „Hallo?“ gemeldet hatte.

  „Paul Rahmling, ja“, erwiderte ich und korrigierte damit gleichzeitig seine Aussprache und das ‚von‘.

  „Ihre Profil sagt, sie würden ihre Dienste ‚rund um die Uhr’ anbieten“, erklärte die Stimme etwas vorwurfsvoll.

  Mein Profil? Ich … Doch, richtig. Ich hatte kürzlich meine Arbeit bei einem sozialen Netzwerk angepriesen, in der vagen Hoffnung, so den einen oder anderen Auftrag zu erhaschen und um mich in Bremen etwas bekannter zu machen. Das hatte offenbar mehr Erfolg, als gedacht. Wie dem auch sei, ich hatte den Hinweis auf meine ständige Verfügbarkeit dort nur aufgenommen, weil es professionell klang, aber nicht, weil ich dachte, dass jemand das wörtlich nehmen würde.

  „Sicher, das steht da“, sagte ich also und bemühte mich um eine Fröhlichkeit, die der Anrufer nicht verdient hatte.

  „Dafür haben Sie aber ziemlich lange gebraucht, um meinen Anruf entgegenzunehmen“, kam es zurück, und zwar auf eine Art, die ich gar nicht mochte, tiefgekühlt und verflixt arrogant.

  „Telefonetikette macht die Konkurrenz“, erwiderte ich gereizt. „Ich biete nur Sprachunterricht und Recherche an. Außerdem muss ich hin und wieder schlafen und aufs Klo.“

  Ich wollte schon auflegen, als ich ein vielversprechendes „Ach wirklich?!“ hörte. Jetzt war auch der Anrufer genervt, was ich für einen Fortschritt hielt. Damit stand es unentschieden. Als ich das Handy wieder ans Ohr nahm, hörte ich noch ein „Was denken Sie, warum ich anrufe?“

  „Um diese Zeit?“, fragte ich zuckersüß. „Ich nahm an, Sie wollten vielleicht eine Pizza bestellen und hatten sich nur verwählt.“

  Der Anrufer ignorierte das geflissentlich. Eine unverschämte Antwort schien nicht in sein Konzept zu passen. „Sie beherrschen die südafrikanischen Bantu-Sprachen, oder?“

  „Klar“, erwiderte ich, während ich mich wunderte. Das war der erste Kunde seit drei Jahren, der danach fragte.

  „Gut. Auch isiNdebele und Shona?“

  „Natürlich“, bestätigte ich wieder und fragte mich, ob der Typ mir überhaupt schon seinen Namen genannt hatte. Ich kam zu dem Schluss, dass das nicht der Fall war.

  „Gut. Ich brauche Ihre Dienste und zahle gut. Wo können wir uns treffen, um Details zu besprechen?“

  „Gerne direkt bei Ihnen“, bot ich an, ganz der geflissentliche und elegante Geschäftsmann. „Wann hatten Sie gedacht, dass wir uns treffen, Herr … ?“

  „Der Name tut nichts zur Sache, noch nicht. Wir treffen uns in einer halben Stunde. Ich sage Ihnen noch, wo.“

  Für einen Moment musste mir der Mund offen stehengeblieben sein, denn ich hörte nicht, dass ich etwas gesagt hätte. Was erlaubte sich dieser Kerl eigentlich? Als ich mich wieder gefasst hatte, sagte ich nur „Wie bitte?!“ Ich weiß, das ist nicht sehr originell, aber Ihnen wäre in dieser Situation vermutlich auch nichts Besseres eingefallen.

  „Sie fahren Richtung Westen. Wenn Sie aus dem Haus gehen, dann ist das von Ihnen aus gesehen rechts. Die Adresse, die Sie angegeben haben, stimmt doch, oder? Osterdeich?“

  „Ja, die stimmt.“

  „Die Hausnummer auch?“

  „Natürlich!“

  „Nobel, nobel.“ Hörte ich da Unglauben in seiner Stimme? „Dann brauchen Sie das Honorar vermutlich gar nicht …“ Er ließ den Satz in der Luft hängen, was mich tatsächlich beunruhigte. Meinen ersten Bremer Kunden wollte ich nicht gerade verlieren.

  „Ganz so ist das auch wieder nicht“, erklärte ich hastig und hoffte, nicht zu sehr zu winseln. „Ich höre mir Angebot natürlich gerne an. Wo treffen wir uns also?“

  „Den genauen Ort erfahren Sie noch. Fahren Sie schon einmal los, Richtung Westen, wie gesagt, und nehmen Sie ihr Handy mit. Ich melde mich bei Ihnen in fünf Minuten. Sie gehen nur dann ran, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie nicht verfolgt werden.“

  Dann hatte der Mistkerl bereits aufgelegt. Ich starrte das Telefon an und wusste, dass ich ihn jetzt eigentlich anrufen musste, um ihm zu sagen, was er mit seinem bescheuerten Angebot machen konnte. Aber irgendwie konnte ich mich nicht dazu durchringen. Schließlich kannte ich meinen Kontostand, und das war Motivation genug, mir meine Jacke zu schnappen und zu meiner Verabredung zu eilen. ...

 

FORTSETZUNG IM BUCH